Fullsuspension
Ein Fully ist kein Kompromiss – es ist eine Entscheidung für mehr Kontrolle, mehr Traktion und am Ende auch mehr Fahrspaß auf technischem Terrain. Wer einmal auf einem gut abgestimmten Fully durch einen wurzeligen Singletrail gefahren ist, fährt ungern zurück auf ein Hardtail. Aber zwischen den Modellen in diesem Segment liegen Welten, und die Preisrange von knapp 2.000 bis über 13.000 Euro macht deutlich, dass "Fullsuspension" kein einheitliches Versprechen ist.
Scott bedient hier das breiteste Spektrum und setzt dabei auf unterschiedliche Geometrien und Federwegskonzepte je nach Einsatzbereich. Die günstigeren Modelle ab rund 2.400 Euro eignen sich für Cross-Country-Ausfahrten mit 100 bis 120 mm Federweg, während die obere Preisklasse mit 140 mm und mehr klar in Richtung Trail und Enduro geht. Scott setzt dabei konsequent auf das eigene TwinLoc-System, das Federweg und Dämpferhärte per Lenkerremote synchronisiert – praktisch, wenn man zwischen Uphill und Downhill schnell wechseln will.
Giant und Liv by Giant teilen sich die gleiche Entwicklungsphilosophie, sprechen aber unterschiedliche Körpergeometrien an. Liv-Modelle sind nicht einfach verkleinerte Giant-Bikes, sondern auf weibliche Proportionen ausgelegt – kürzere Reach-Werte, angepasste Sattelbreiten. Im technischen Aufbau bewegt sich Giant mit dem Maestro-Hinterbau in einem klar eigenständigen Bereich: Das Viergelenk-System isoliert Brems- und Antriebskräfte besser als viele einfachere Kinematiken.
KTM positioniert sich mit seinen Fully-Modellen zwischen 4.000 und 6.800 Euro klar im Trail-Segment und setzt auf ausgereifte Aluminium- sowie Carbon-Rahmen mit moderner Geometrie. Wer ein solides Werkzeug ohne Schnickschnack sucht, liegt hier richtig. Orbea hingegen kommt mit dem Occam in einer Liga, in der jedes Gramm und jede Ausstattungsdetail zählt – die Modelle um 6.500 Euro sind konsequent auf Singletrail-Performance getrimmt, mit flachem Lenkwinkel und langem Radstand.
Conway bleibt mit seinem einzigen Modell bei 7.500 Euro ein Nischenplayer, der Tourenbiker mit Komfortanspruch anspricht. Wer dagegen maximal performance-orientiert fährt, schaut zu Scott oder Giant in den oberen Preislagen.
Häufige Fragen zu Fullsuspension
Was ist der Unterschied zwischen Viergelenk-Hinterbau und Eingelenk-Hinterbau beim Fully? Ein Viergelenk-System wie Giants Maestro isoliert Brems- und Pedalbewegungen stärker vom Federweg, was besonders bei technischen Abfahrten spürbar ruhiger wirkt. Ein Eingelenk-Hinterbau ist konstruktiv einfacher und günstiger zu warten, reagiert aber sensibler auf Antriebs- und Bremskräfte.
Für welchen Einsatzbereich sind 120 mm Federweg beim Fully noch sinnvoll, ab wann brauche ich mehr? 120 mm reichen für Cross-Country und gemäßigte Trails gut aus – hier profitiert man von weniger Gewicht und effizienterem Pedaling. Wer regelmäßig auf technischen Trails mit Drops und losen Steinen unterwegs ist, sollte eher Richtung 140 mm schauen, wie es Scott und Giant in den Trail-Modellen anbieten.
Warum kostet das gleiche Scott Fully im Carbonrahmen fast doppelt so viel wie mit Aluminium? Carbon spart je nach Modell 400 bis 600 Gramm und verbessert durch gezielte Steifigkeitsverteilung das Handling spürbar. Der Preisvorteil von Alu liegt dagegen beim Reparaturverhalten – ein Aluminiumrahmen lässt sich bei Dellen und Biegungen eher aufarbeiten, Carbon ist bei starken Schlägen kompromisslos fertig.
Was bedeutet "Reach" beim Fullsuspension-MTB und warum ist das relevanter als die Rahmengröße in cm? Der Reach gibt den horizontalen Abstand von der Mitte des Tretlagers zur Mitte des Steuerrohrs an und beschreibt damit direkt, wie gestreckt oder aufrecht du auf dem Rad sitzt. Rahmengrößen in Zentimeter variieren stark zwischen den Herstellern – der Reach-Wert ist der präzisere Vergleichspunkt, besonders wenn du zwischen Scott und Orbea abwägst.
Warum bietet Liv by Giant eigene Fully-Modelle an, wenn Giant dieselbe Technologie verbaut? Liv-Bikes haben nicht nur kürzere Rahmen, sondern angepasste Reach- und Stack-Werte sowie schmalere Lenker und angepasste Bremshebelpositionen. Das macht bei längeren Ausfahrten einen echten Unterschied, weil die Kraftübertragung und der Druckpunkt an Griffen und Bremsen besser auf kürzere Arme und Hände abgestimmt sind.


